,, Gruß vom Dicken Ernst"
Anja Sommer


Auf einem Esstisch liegt eine Kunststofftischdecke, auf der farbige und schwarzweiße historische Postkarten, in originaler Größe von ca. 10 x 16 cm abgedruckt sind. Die Karten bedienen sich unterschiedliche Sujet und Clichés in Form von karikaturistischen, ironischen aber auch spöttischen und gehässige Zeichnungen oder Fotografien. Dicke Frauen, Männern und Kinder werden unterschiedlich konnotiert in verschiedenen Kontexten dargestellt - in den Bergen und auf Wanderschaft, leicht bekleidet am Strand, als Soldaten, in Kurbäder und Jungbrunnen, dicke Menschen als Attraktionen.

Auf eine Tischdecke gedruckt konfrontieren die Bildpostkarten den Besucher der Ausstellung mit der Symbolhaftigkeit, bzw. mit assoziativen, emotionalen und wertenden Bezeichnungen von Dickleibigen im Alltag. Zugleich muss man sich bewusst machen, dass diese Postkarten zum Verschicken von Urlaubsnachrichten oder Geburtstagswünschen gedacht waren und auch benutzt wurden. Die ironisch dargestellten dicken Menschen werden zumeist nur auf eine Charaktereigenschaft oder eine Eigenschaft ihres Körpers reduziert. Sie haben entweder einen großen Busen, einen dicken Hintern, einen dicken Bauch, dicke Arme oder schwitzen beim Wandern, sind maßlos beim Essen oder dümmliche Kraftprotze. Herausgegriffen werden Genre, die Dicke verachten und Dicksein mit minderwertigen Charaktereigenschaft, Dummheit, Grobheit, oder Ungebildetheit verbindet - das dralle erotische Dummerchen, der feiste dicke Kraftprotze.

Am Tisch sitzend wird der Besucher mit eigentlich unhaltbaren Vorurteilen konfrontiert, die er vielleicht selbst gegenüber Menschen hegt, die nach unserem auch heute weit akzeptierten Verständnis zu dick sind.