Wer die Form nicht wahrt
Anja Sommer


An der Wand befinden sich unterschiedlich große, 30 cm bis zu zwei Metern, sowie lebensgroße Silhouetten. Sie sind mit weißem Kreidestift auf schwarzem Papier locker skizziert und ausgeschnitten. Diese weiblichen und männlichen Figuren wurden aus künstlerischen Bildproduktionen verschiedener Kunstepochen und Künstler herausgelöst, die aus unserer heutigen Sicht dicke Frauen und Männer darstellten und/ oder dicke Körper zum Thema machen. Teile der Körper wie: Brust, Po oder Beine sind mit weißem Stift akzentuiert gezeichnet. Betont wurden Teile des Körpers, bei denen sich Bezeichnungen von dick, fleischig, prall, weich, mit Erotik, Anziehung oder Fruchtbarkeit verbinden, aber auch solche die nach Vorstellungen anderer Epochen wie dem Barock, einem gängigen Schönheitsideal entsprechen und wohl geformt sind.
Neben den Figuren finden sich Jahreszahlen, sowie die Namen von Künstlern wie: Peter Paul Rubens, Heinrich Zille bis Diane Arbus, die in ihren Werken dickleibige Menschen zum Thema gemacht haben. Der mollige oder nach heutiger Ansicht als übergewichtig bezeichnete Körper ist schon seit Kultobjekten wie die Venus von Willendorf Thema der künstlerischen Bildproduktion. Jedoch verändern sich die Konnotationen des dicken Körpers in den Bildwerken. In manchen künstlerischen Werken wird der beleibte Körper als mütterlicher Körper assoziiert, der Schutz und Geborgenheit bieten kann. In den Fotografien von Diane Arbus finden sich Männer, Transvestiten verkleidet, als Frau. Die vermeintliche Abnormität, die Formlosigkeit und Fettleibigkeit des Körpers ist hier oft untrennbar von der Zugehörigkeit zu einer sozialen Randgruppe der Gesellschaft (Transvestit). Es wird klar das sich Begrifflichkeiten, wie Abnorm aber auch Schönheit nicht allein über das Aussehen des Körpers, sondern auch über die Zugehörigkeit der Person zu einer sozialen Bildungsgruppe definiert.